Deutscher Gewerkschaftsbund

11.03.2014
"Demokratie ist für viele ein Horror"

Du hast es in der Hand! Deine Stimme Betriebsratswahlen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und seine Mitgliedsgewerkschaften rufen zur Teilnahme an den Betriebsratswahlen 2014 auf, die von März bis Mai stattfinden. Über die Rolle der Arbeitnehmervertretung im Unternehmen sprach die Sächsische Zeitung mit dem Betriebsratsvorsitzenden der Gröditzer Schmiedewerke Uwe Jahn. Das Gespräch führte Eric Weser:

Herr Jahn, zuletzt haben Betriebsräte der Region keine rühmliche Rolle gespielt und bei kritischen Themen an die Geschäftsführung verwiesen. Arbeiten Sie auch so? Da muss ich widersprechen. Nach meiner Wahrnehmung haben sie eine sehr engagierte Arbeit im Interesse der abhängig Beschäftigten geleistet. Dabei sind sie oft auch ein hohes Risiko eingegangen, etwa wenn es darum ging, für den Erhalt von Arbeitsplätzen zu streiten. Dabei gibt es Phasen, in denen man gemeinsam mit dem Management agiert, zum Beispiel um äußere Bedrohungen auf das Unternehmen abzuwehren. Und dann gibt es auch Phasen, in denen man in den Konflikt mit dem Management hinein muss. Das muss im Betriebsrat diskutiert und entschieden werden. Was die Auskunft zu internen Vorgängen gegenüber der Presse betrifft: Hier hat der Gesetzgeber den Betriebsräten klare Grenzen gesetzt, die bei Nichtbeachtung auch strafbewehrt sind. Da halten auch wir uns an die Spielregeln.

Sind Betriebsräte in Ostdeutschland zurückhaltender als im Westen? Nein. Warum auch? Betriebsräte in Ost und West haben die gleichen Aufgaben und arbeiten auf der gleichen rechtlichen Grundlage. In den Jahren 1990 haben die Betriebsräte im Osten oftmals sogar eine sehr viel aktivere Rolle übernommen. Schließlich war der Problemdruck ja auch ungleich höher. Wenn es überhaupt eine Besonderheit gibt, dann eher die, dass es im Osten mehr Eigentümer und Manager gibt, die die Wahl von Betriebsräten und ihre Arbeit beinahe fanatisch bekämpfen, weil sie Demokratie in den Betrieben eher als Horrorvorstellung anzusehen scheinen.

Was muss ein Betriebsrat für sein Amt mitbringen? Es gehören Engagement, Mut, Rückgrat dazu und gesunder Menschenverstand. Der Wille, sich für andere Menschen einzusetzen und sich das für die Arbeit nötige Wissen anzueignen und die Bereitschaft, auch mal eigene Interessen zugunsten der Aufgabe hinten anzustellen.

Sie haben rund 60 Leute angesprochen, jetzt gibt es fast 30 Kandidaten. Warum sagen die Leute ab – haben sie Angst? Nein. Angst haben wir in den Gesprächen eher nicht festgestellt. Wohl aber Respekt vor der Aufgabe. Ich halte das übrigens für völlig normal. Immerhin übernimmt man mit dem Mandat auch eine hohe Verantwortung. Und 29 Kandidatinnen und Kandidaten, darunter auch viele jüngere Beschäftigte, sind ein gutes Resultat.

Im Rückblick auf die letzten vier Jahre: Was hat der Betriebsrat der Gröditzer Schmiedewerke erreicht? Es ist uns gelungen, die Gleichbezahlung der Zeitarbeiter zu erreichen und danach auch die unbefristete Übernahme der meisten Zeitarbeiter durchzusetzen. Aus die Beibehaltung der Ausbildung auf hohem Niveau und die anschließende unbefristete Übernahme der Auslerner konnten vereinbart werden.

Und welche Ziele konnten nicht umgesetzt werden? Beispielsweise ist es uns leider noch nicht gelungen, unser Vorhaben, ein Leistungslohnsystem einzuführen, umzusetzen.

Was sind die Herausforderungen für die neu gewählte Arbeitnehmervertretung? Zunächst geht es darum, die Startphase nach der Wahl schnell abzuschließen, damit wir uns dann an die Sacharbeit machen können. Dabei wollen wir die begonnenen Themen weiterführen. Und schwerpunktmäßig wird es auch weiterhin um die Sicherung der Arbeitsplätze, die Erhaltung und den Ausbau der Einkommensbedingungen und die Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen gehen. Daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Quelle: Sächsische Zeitung Riesa 06.03.2014


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