Deutscher Gewerkschaftsbund

12.10.2011
DGB Sachsen: „Gute Arbeit für alle statt prekäre Beschäftigung“

DGB Frauenfachtagung

Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Frauenfachtagung DGB 2

Frauenfachtagung 13.9.2011 , DGb Bezirksvorsitzende Iris Kloppich vor Beginn der Tagung Hron M.S.

Als Iris Kloppich, die Bezirksvorsitzende in Sachsen, am Dienstag, den 13. September 2011  kurz nach 10.00 Uhr, die Frauenfachtagung des DGB und der FES eröffnete, konnte sie 80 Kolleginnen und ein paar ihrer männlichen Kolleginnen im Volkshaus Dresden Platz begrüßen. In ihren Eröffnungsbemerkungen bezog sich Kloppich unter anderem darauf, dass sich die Gewerkschaften in Sachsen seit Jahren besonders mit der Beschäftigungssituation von Frauen beschäftigen. Frauen sind nach wie vor stärker als ihre männlichen Kollegen von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen. Damit können viele von ihnen keine armutsfesten Löhne beziehen und sie müssen sich aus diesem Grund in vielfältigen Formen um zusätzliche Einkünfte oder aufstockende Leistungen bemühen.

Die Frauenfachtagung des DGB will sich mit der Frage beschäftigen, wie sich die Frauen ihre Zukunft in Sachsen selbst vorstellen. Hierzu gehört u.a. die Frage, wie die Potenziale der Frauen in der Diskussion um die Fachkräftesicherung wesentlich besser genutzt werden könne. Dazu gehört aus Sicht der Gewerkschaften natürlich vor allem eine ordentliche Bezahlung. Also eine Entlohnung, von der die Frauen und ihre Familien leben können. Dazu bedarf es einer Stärkung tariflicher Strukturen. Kloppich berichtete von ihren Erfahrungen mit schlecht bezahlten Jobs, die vor allem von Frauen besetzt werden. Wie zum Beispiel im Gebäudereinigungsgewerbe. Wo die IG BAU mit tariflichen Vereinbahrungen zur Sicherung eines Stundenlohns von sieben Euro kämpft. Eines Lohns, von dem noch nicht einmal ein armutsfestes Einkommen erzielt werden kann. Das zeigt in dramtaischer Weise, worum es geht. Wo die Frauen in der Regel dann mehrere Jobs ausfüllen müssen oder zahlreiche Überstunden leisten. Kloppich erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass gerade durch gewerkschaftliche Vorschläge wie Kurzarbeit und tarifliche Vereinbarungen die wirtschaftliche Krisensituation in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren überwunden wurde. Auch durch Frauen. Heidi Becherer vom DGB Bezirk verlas dann den von Ingrid Sehrbrock vom DGB Bundesvorstand vorbereitete Gastvortrag mit den DGB Positionen zu Minijobs und prekärer Beschäftigung. 

Zur Veranstaltung, welche im DGB Bezirksfrauenausschuss verabredet wurde, haben sich die Kolleginnen externen Fachverstand eingeladen. Der Managing Director des ifo Dresden, Institut für Wirtschaftsforschung. Dr. Joachim Ragnitz eröffnete seinen Diskussionsbeitrag damit, dass er gerne zu den Frauen gekommen sei, aber ein paar „unerwartete Gedanken“ zum Tagesthema zu bieten habe. Frauen sind nach seiner Überzeugung weniger benachteiligt als es sich gemein darstellt. Er drückte seine Überzeugung aus, dass vor allem wegen der Berufswahl Nachteile entstehen. Er verwies darauf, dass gerade in den vergangenen Jahren das Risiko von Erwerbslosigkeit von Frauen gesunken sei. Besonders aber erinnerte er daran, dass die Erwerbsquote von Frauen im Osten traditionell höher ist als im Westen. Allerdings sei es ihm besonders wichtig, nach vorne zu blicken und weniger den Blick in die Vergangenheit zu richten. Die Beschäftigungspotenziale werden in Zukunft vor allem dadurch geprägt, dass es eine besondere demographische Entwicklung gibt. Durch den Rückgang von rund einem Drittel der Arbeitskräftepotenziale werden sich ganz andere Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen ergeben. Vor allem durch bessere Qualifikation sind schlussfolgernd bessere und höherwertige Arbeitsverhältnisse zu erreichen. Allerdings wies Dr. Ragnitz auch darauf hin, dass man insbesondere bei den Rentenansprüchen ergänzende Leistungen konzipieren muss, um Altersarmut, gerade bei Frauen zu verhinderen.

Die Landtagsabgeordnete und frühere Landrätin Petra Köpping, zuständig für Kommunalpolitik konterte diese Gedanken des stellv. Ifo Geschäftsführer mit einem Vergleich ihres beruflichen Werdegangs. Ganz persönlich schilderte sie, wie sie als ostdeutsche Frau die Erwartungshaltungen ihres westlichen männlichen Vorgesetzten genau nicht erfüllte. Sie als ehemalige Bürgermeisterin arbeitete in einem im Wesentlichen von Männern dominierten Bereich, der Politik. Sehr anschaulich schilderte sie sehr persönlich ihre Erfahrungen, die vor allem mit Erwartungen der Männerwelt verbunden waren. Aber auch damit, dass sich Frauen erstaunlicher Weise stärker als Männer zurückhalten. Obwohl sie längst in vielfältiger Form Verantwortung übernehmen. Ihr Fazit: „In der Regel muss man als Frau zur Erfüllung der Erwartungen oftmals zehnmal mehr leisten als Männer.“ Am Nachmittag wird es sicher spannende  Diskussionen zu den Vorträgen geben.

Diskussion Frauenfachtagung

FES und DGB Sachsen Frauenfachtagung am 13.9.2011 im Volkshaus Dresden. Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Hron - M.S.

Frauenfachtagung 13.9.2011 3

Petra Köpping , SPD MdL auf der Frauenfachtung im Volkshaus Dresden Hron M.S.


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