Deutscher Gewerkschaftsbund

16.10.2014
Schmiedewerke Gröditz: Alters- und alternsgerechte Bedingungen

DGB-Kreisverband Meißen

Einen äußerst interessanten Einblick bekamen die Vorstandsmitglieder des DGB-Kreisverbandes Meißen am 14. Oktober 2014 beim Besuch der Schmiedewerke Gröditz GmbH, dessen Tradition bis ins Jahr 1779 als Stahlstandort zurückreicht. Dazu eingeladen hatte Uwe Jahn, Betriebsratsvorsitzender des Schmiedewerkes und ebenfalls Mitglied des DGB-Kreisverbandes. Staunend betraten wir die einzelnen Werkhallen und ließen uns sachkundig von Uwe Jahn die Arbeitsabläufe erklären. Wenn auch heute viel automatisiert ist, so bleibt es dennoch ein Knochenjob. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn der Betriebsrat ständig den Blick auf die Arbeitsbedingungen der engagierten und kompetenten Kolleginnen und Kollegen richtet. In einem Interview erklärt er, dass es wichtig ist, gute Arbeitsbedingungen für alle zu schaffen, damit sie möglichst gesund das Rentenalter erreichen. Dieses Ziel im Blick, haben die Arbeitnehmervertreter der Schmiedewerke Gröditz die Arbeitsplätze untersucht, Belastungen verringert und das Thema Arbeitszeit angepackt:

Bessere Lichtverhältnisse, Schutz vor Zugluft und weniger Lärm - was banal klingt, kann trotzdem in seiner Kombination Gute Arbeit bringen. "Auch mit vielen kleinen Schritten, kann man seinem Ziel näher kommen", beschreibt daher Uwe Jahn, Betriebsratsvorsitzender bei den Schmiedewerken Gröditz GmbH den Prozess, mit dem dort die Arbeitsplätze alters- und alternsgerecht gestaltet werden. 

An dem sächsischen Stahlstandort mit einer 230 Jahre langen Tradition werden unter anderem Blockstahl, Freiformschmiedestücke, Werkzeugstahl und Großkurbelwellen hergestellt. Die Arbeit ist schwer und belastend. Daher war es dem Betriebsrat wichtig, neben einer betrieblichen Altersteilzeit auch die Belastungen an den einzelnen Arbeitsplätzen zu reduzieren. Das nutze nicht nur den Älteren. Uwe Jahn sagt: "Auch bei den jüngeren Beschäftigten sollte der Verschleiß nicht so weit gehen, bis sie den Schmerz spüren." Daher ist es für Jahn wichtig, dass auch die Jüngeren von den Verbesserungen profitieren.

Ergonomische Belastungen verringert

Die betrieblichen Arbeitnehmervertreter haben ausgehandelt, dass es in der Produktion Änderungen bei der Arbeitsorganisation gibt und die ergonomischen Belastungen verringert werden. So kann der Beschäftigte beispielsweise die Beleuchtung flexibel einstellen. Weitere Problemfelder in der Arbeitsumgebung sind Zugluft, Hitze und Kälte sowie starker Dauerlärm. Auch hier geht der Betriebsrat erst einmal die kleinen Schritte. Da die großen technischen Lösungen meistens sehr teuer sind, werden betroffene Mitarbeiter mit einem persönlichen Gehörschutz ausgestattet. Zudem werden die Beschäftigten dazu angehalten, wegen der Zugluft die Türen und Tore nach dem Passieren möglichst schnell zu schließen.


Zudem arbeiten jüngere und ältere Beschäftigte gemeinsam in Teams. Sie wechseln sich an den Arbeitsplätzen ab, sodass einseitige Belastungen reduziert werden. Auch wissen die älteren Beschäftigten meistens, welcher Arbeitsschritt besonders belastend ist. Daher  können sie häufig anders und schonender mit problematischen Situationen umgehen oder sie sogar umgehen. Damit auch die Jüngeren nicht erst negative Erfahrungen machen müssen, hat der Betriebsrat dazu einen Erfahrungsaustausch etabliert, damit junge Beschäftigte früher vorbeugen können und nicht schon in frühzeitig krank werden.

Wie in vielen anderen Stahlwerken auch, wird in dem nordostsächsischen Stahlwerk  in Schichten gearbeitet. Das ist für alle Altersgruppen hart. Gerade die Nachtschicht gehen auf die Knochen. Daher hat die Arbeitnehmervertretung ausgehandelt, dass die Anzahl der Nachtschichten verringert und der Freizeitblock verlängert wird. Zudem wird Mehrarbeit grundsätzlich nur in Freizeit abgegolten und das zeitnah.

Statt 35 nur 33,5 Stunden arbeiten

Außerdem wurde die Arbeitszeit für Schichtarbeiter gesenkt. Bei den Schmiedewerken Gröditz arbeiten die Beschäftigten nicht 35, sondern 33,5 Stunden in der Woche. Anlass für diese verringerte Wochenarbeitszeit waren die sogenannten Einbringschichten. Das sind die Reststunden zur Gesamtstundenzahl von wöchentlich 35 Stunden, die nicht über die Schichtpläne abgedeckt werden, aber notwendig sind, um auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 35 Stunden zu kommen. Statt die fehlenden 1,5 Stunden wie in anderen Schichtbetrieben üblich, noch in gesonderten Einbringschichten einzuarbeiten, wurden Arbeitszeit und Entgelt abgesenkt. Was zu Beginn auf Kritik bei Beschäftigten gestoßen ist, hat sich jedoch bewährt und ist in der Belegschaft akzeptiert.

Uwe Jahn sagt: "Die Wirkung von alters- und alternsgerechten Arbeitsplätzen entfaltet sich erst langfristig und in Kombination mit vielen verschiedenen Details". Er weiß, jede einzelne Maßnahme für sich genommen reicht nicht aus. "Aber die Summe kann es bringen", erklärt der Betriebsrat und weist daraufhin, dass alle Schritte zeitgleich angegangen werden sollten.

Quelle Interview: www.igmetall.de 24.06.2014


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