Deutscher Gewerkschaftsbund

Dresden 13. Februar 1945

Dresden

13. Februar 2009

Gedenken und Protest

Course in der Nacht auf der Bühne

Course auf der Bühne von Geh Denken Hron

Geh Denken am 14. Februar 2009 in Dresden

 

Über 15.000 Menschen demonstrierten am 14. Februar friedlich in Dresden gegen die Geschichtsverfälschung der Neonazis und für eine demokratische und tolerante Gesellschaft. Punkt 13.00 Uhr versammelten sich an drei Stellen der Stadt Demonstrationszüge, die sich in einem Sternmarsch zum Theaterplatz bewegten, wo die Abschlusskundgebung stattfinden sollte. Ein bunter Demonstrationszug von rund 10.000 Menschen zog vom Goldenen Reiter an der Hauptstraße über die Carolabrücke zur Synagoge und von dort an der Elbe zum Theaterplatz.

 

An der Spitze versammelte sich Prominenz aus Politik, Gesellschaft und Gewerkschaften: der DGB-Vorsitzende Michael Sommer, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee, SPD-Chef Franz Müntefering, die Vorstandssprecherin der Grünen Claudia Roth, Linken-Fraktionschef Gregor Gysi und Bundestagsvize Wolfgang Thierse.  

Mit ihnen liefen tausende Gewerkschafter aus Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und aus westlichen Bundesländern, die extra mit Bussen angereist waren.

 

Aber auch kirchliche Gruppierungen, wie Aktion Sühnezeichen und Pax Christi nahmen an der Demo teil und versammelten sich hinter einer Sambagruppe einer Kirchengemeinde. Die Arbeiterwohlfahrt war mit selbst gemalten Plakaten vertreten und natürlich waren die Parteien SPD, Linke und Grüne vertreten. Aus Polen kam eine Delegation der Solidarnosc und aus Tschechien kamen Kolleginnen und Kollegen vom Gewerkschaftsverband CMKOS.

 

Hinter einem Transparent „Nicht in unserem Namen“ versammelten sich Überlebende des Bombenangriffs vom 13. Februar, die damit gegen die Geschichtsverfälschung der Neonazis demonstrierten. Aus Dresden kamen vor allem viele junge Menschen, die teilweise mit ihren Kindern am Demozug teilnahmen. Zur gleichen Zeit versammelten sich, abgeschirmt von einem Großaufgebot der Polizei, rund 6.000 Neonazis am Dresdner Hauptbahnhof. Nach Medienberichten sprach der sächsische NPD-Fraktionsvorsitzende bei der Kundgebung abermals geschichtsverfälschend vom „Bombenholocaust am 13. Februar“. 

 

Auf der Zwischenkundgebung an der Synagoge erinnerte der Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel, dass es an solchen Tagen darum gehe die Freiheit zu verteidigen, die Freiheit seinen Glauben zu leben und auch die Freiheit für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu kämpfen. So seien es auch Gewerkschafter gewesen, die am 2. Mai 1933 als Erste in die neuen KZ´s der Nazis transportiert wurden. Der Oberbürgermeister von Jena, Albrecht Schröter, sagte im Hinblick auf die Nichtteilnahme der Oberbürgermeisterin von Dresden an der GehDenken-Demo, dass sein Wunsch sei, dass sich die Bürgermeister in Mitteldeutschland gegenseitig im Kampf gegen die Pest des Rechtsextremismus unterstützen.

 

Diese Kritik würde auch vom Schauspieler Wolfgang Stumph auf der Hauptbühne am Theaterplatz wiederholt: „Hier hätte der Ministerpräsident von Sachsen hingehört, um mit den tausenden Anderen gemeinsam gegen die Rechtsextremen zu protestieren.“ Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer rief dazu auf, tagtäglich gegen die „braune Soße“ aufzutreten und im Kampf gegen den Rechtsextremismus nicht nachzulassen. 

 

 

Eröffnung von Demo Geh Denken 2009 vor dem Goldenen reiter in Dresden

Eröffnung von Geh Denken 2009. Anmlass ist der neuerliche Aufmrasch der Nazis in Dresden. Die Demo zieht in drei Zügen durch die Stadt zum Tehaterplatz . Dort findet eine Abschlusskundgebung un d ein Konzert statt. Hron

12.500 Bürger engagieren sich bei Geh Denken in Dresden am 14.02.09

Die Organisatoren der Geh Denkveranstaltung, welche die Demonstrationen gegen den JLO Aufmarsch am 14. Febraur in Dresden organisierte, zogen am Sonntag eine positive Bilanz ihrer Veranstaltung. Rund 12.500 Personen nahmen an den Eröffnungs-, Zwischenkundgebungen und an der Abschlussveranstaltung in der Dresdner Innenstadt ausschließlich friedlich teil. Damit nahmen mehr Menschen als je zuvor an den Demonstrationen von Geh Denken teil. Für dieses breite Engagement  - von Dresdnern und von vielen Gästen - danken die Organisatoren allen Beteilgten.

Nach Dresden waren auf Grund des Aufrufes von mehr als 200 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Gäste aus mehr als dreißig Städten Deutschlands und dem Ausland gekommen. Mehr als Tausend weitere Personen unterstützten den Aufruf "Ein klares Stoppsignal dem Rechtsextremismus". An einem sehr kalten Wintertag beteiligten sich damit erfreulich viele Menschen an dieser Veranstaltung. "Wahrhaftig erinnern - Versöhnung Leben" bedeutet nach Aussagen aller Rednerinen und Redner des gestrigen Tages einen deutlichen Bezug für Demokratie und gegen den heutigen Rechtsextremismus herszustellen.

Ganz so wie es in eindringlichen Worten am Vortag auch der Festredner vor der Frauenkirche, Dr. Hans-Jochen Vogel, den Zuhörern mitteilte. Wahrhaftig erinnern bedeutet heute, klar Stellung zu beziehen. Und zwar nicht zurückgezogen, sondern offensiv und auch auf der Straße. Die Organisatoren von Geh Denken hoffen, dem gemeinsamen Ziel aller Demokraten ein kleines Stück näher gekommen zu sein: rassistische und rechtsextremestische Aufmärsche in unseren Kommunen nicht duldend hinzunehmen.

 

 

 

Dresden will nur Ruhe haben -

Nach Naziaufmarsch am 14. Februar kritisieren Gegenbündnisse die Stadt 

 

(mit Gen. von Hendrik Lasch, Dresden, ND vom 5. März 2009)

 

Der Protest gegen den Naziaufmarsch am 14. Februar in Dresden war ein Erfolg, sagen Veranstalter – aber nur ein relativer. Denn die Demokraten waren gespalten, viele Dresdner blieben zu Hause, und die Behörden wollten nur eines: Ruhe. Albrecht Schröter ist ein Mann klarer Worte. Kommunen sollten sich gegen Nazis engagieren, sagt der Jenaer Rathauschef: »Der OB muss an der Spitze laufen und so viele Bürger wie möglich mitbringen.« Hinter seinem Verwaltungsposten verstecke er sich nicht, fügt der SPD-Mann hinzu: »Ich sage meine Meinung als Bürger und denke, dass die Leute das auch erwarten.« Es gibt Beifall im Saal der Linksfraktion im Dresdner Landtag, in dem Schröter bei einer Anhörung zum Naziaufmarsch in der Stadt am 14. Februar und den Protesten dagegen spricht. Man könne, sagt ein Zuhörer, die Stadt Jena »nur beneiden« um diesen Rathauschef.

 

In Dresden ticken die Uhren anders. Zu einer Vielzahl von Demonstrationen gegen den Naziaufmarsch, mit dem die rechtsextreme Szene das Gedenken an die Zerstörung von Dresden am 13. Februar 1945 vereinnahmen will und der dieses Jahr 6000 Teilnehmer hatte, kamen zwar 12 500 Menschen, sagt Ralf Hron, DGB-Regionalchef und Organisator im Bündnis »GehDenken«. Wer fehlte, waren aber die CDU und ihre Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Ihre Partei hatte ein eigenes Gedenken organisiert und das Bündnis in die Nähe linker »Chaoten« gerückt – ein Zank, der »angesichts der Stärke der NPD unwürdig ist«, sagt Hron. Jenseits der in dieser Frage seit Jahren in innigem Zank verhafteten Kommunalpolitik stoße das auf Unverständnis: »Je weiter man von Dresden wegkommt«, sagt Hron, »um so mehr Unverständnis gibt es.«

 

Grund ist, dass der Streit fatale Folgen hat. Während in Wunsiedel oder Halbe der geschlossene Widerstand von Bürgern und Politik die Rechten vergrault hat, zerfasert der Protest in Dresden. »Die Bevölkerung ist erheblich verunsichert«, sagt Hron – und bleibt deshalb zu Hause. Verstärkt wird die Zurückhaltung durch die Tatsache, dass der von den Rechten gepflegte Opfermythos bei vielen Bürgern »schweigende Akzeptanz« findet, glaubt Cornelia Ernst, Landesvorsitzende der LINKEN. Die Folge: »Der Dresdner war am 14. Februar faktisch nicht da.« Schätzungen zufolge kam die Hälfte der Gegendemonstranten von außerhalb. »Das war unsere Rettung«, sagt der grüne Abgeordnete Johannes Lichdi: »Sonst hätten wir das Rennen verloren.«

Versagt hat die Stadtspitze nach Einschätzung der Gegenbündnisse aber nicht nur politisch, sondern auch in ihrer Funktion als Versammlungsbehörde. Die Rechten hätten ungestört und außer Sicht- und Hörweite des Protestes marschieren können, sagt Jonas Engelmann, Sprecher des Bündnisses »No pasarán«, das allein 4000 Menschen mobilisierte: »Die Nazis konnten sich willkommen fühlen.«

 

Im Gegensatz dazu würden vor allem linksautonome Veranstaltungen seit der erfolgreichen Blockade eines rechten Aufzugs 2006 »zunehmend kriminalisiert«, klagt Angela Marquardt vom Bündnis »Venceremos«, dem selbst das übliche Kooperationsgespräch mit Behörde und Polizei verwehrt wurde. Ziel sei wohl vor allem, Auseinandersetzungen zu verhindern: »Die Stadt will schlicht ihre Ruhe haben.« Nicht nur Marquardt wirft Dresden dabei eine gefährliche Fehleinschätzung vor.

 

Deren Ziel dürfe es nicht sein, »alles auseinander zu halten«, sagt sie, »sondern dass die Nazis nicht marschieren.« Derzeit freilich herrsche in der Stadt noch eine »Atmosphäre, in der sich die Nazis wohlfühlen«, sagt Hron – mit der Folge, dass sich das braune Gedenken zum »größten Event der Szene in Europa« entwickelt habe. Nach einer »Dekade des Verdrängens« sei damit eine sehr komplizierte Lage rund um das Dresdner Gedenken entstanden. Zur Suche nach einem Ausweg bleiben elf Monate.

 

 

 

an der Synagoge zum 13.2. 2009

An der Dresdner Synagoge zieht die Demo Geh Denken 2009 vorbei. Mit einer Zwischenkundgebung. Jahrelang hatten Nazis versucht direkt an der syxnoge vorbei zu marachieren. Hron

DGB besuchte mit Jenas OB Schröter Opfer in Klinik

Wie heute veröffentlicht wurde, besuchte gestern DGB-Regions-

vorsitzender Hron gemeinsam mit dem Jenaer Oberbürger meister Albrecht Schröter den Kollegen in der Universitätsklinik Jena, der am vergangenen Sonnabend von Rechtsextremen schwer verletzt wurde. Dem Kollegen von der Mitgliedsgewerkschaft IG BAU, der von Rechtsextremen auf der Autobahnraststätte „Teufelstal“ so brutal misshandelt wurde, geht es nach der gestrigen Operation den Umständen entsprechend gut. Hron drückte in der Universitätsklinik Jena für die Veranstalter von GEH DENKEN und der DGB-Heimatregion noch einmal tief empfundene Solidarität gegenüber dem Verletzten aus. Im Namen vieler Kolleginnen und Kollegen und der Dresdner bedankte sich Hron für die Unterstützung am vergangenen Wochenende und drückte sein Bedauern über die schwere Verletzung aus. Zahlreichen Gäste aus vielen Städten und Gemeinden hatten die Dresdner bei ihren Bemühungen unterstützt, dem Rechtsextremismus ein Stoppsignal zu setzen.

 

„Die Tat muss auch dem letzten Zweifelnden zeigen, mit welchen Methoden und mit welcher Gesinnung die NPD und ihre Helfershelfer unterwegs sind. Wir alle dürfen diese Gewalt nicht dulden. Es gibt keine Toleranz gegenüber den Intoleranten,“ erklärte Hron nach dem Besuch im Krankenhaus.

 

Die Gewerkschaften erwarten nunmehr, dass die Schuldigen ausfindig gemacht und bestraft werden. An der Tat waren auch mehr als drei Schweden beteiligt. Da sollte man sich nichts vormachen. „Wir wissen auch, dass es auch in Sachsen weitere Angriffe und Leichtverletzte bei der An- und Abreise gegeben hat.“ Die Veranstalter erwarten konsequente Strafverfolgung durch die Behörden. Unsere Kollegen, die sich für Demokratie und unser Land engagieren, haben den umfassenden Schutz der Zuständigen verdient. „Die Opfer müssen jetzt die Solidarität von uns allen erfahren und sich darauf verlassen, dass sich entsprechende Vorfälle nicht wiederholen“, so Hron kurz nach dem Besuch in Jena. Jetzt aber ist es wichtig, dass der Verletzte sich in Ruhe gesundheitlich erholen kann. Den Ärzten dankte sowohl OB Schröter wie auch Hron ausdrücklich für ihre hervorragende Betreuung und Unterstützung.

 

 

 

DGB bestürzt nach Überfällen auf Demo Teilnehmer 

 

Der DGB Dresden, als Mitveranstalter von Geh Denken am 14. Februar in Dresden, zeigt sich bestürzt über den Überfall auf Teilnehmer  bei der Rückreise nach Hessen. DGB Regionsvorsitzender Hron drückte in einem ersten Telefonat mit dem Busverantwortlichen bereits am Sonntag seine tiefe Solidarität und Mitgefühl mit den Opfern aus. Hron erklärte am Sonntag Mittag in Dresden: "Wir haben die Meldung erhalten, dass ein Reisebus von uns überfallen wurde. Dieser Gewaltakt zeigt in einem erschreckenden Ausmaß, wie weit wir in Deutschland mittlerweile gekommen sind. Da können Kolleginnen und Kollegen unserer Organisation nicht einmal mehr sicher nach Hause fahren. Nachdem sie für unser Land, für die Demokratie bei Wind und Wetter eingestanden sind."

 

Nachdem am Sonntag zunächst der Vorfall aus Thüringen bekannt wurde, sind mittlerweile weitere Überfälle auf Teilnehmer gemeldet worden. Auch in der Nähe von Chemnitz, kam es offensichtlich zu Angriffen auf mehrere Teilnehmer der Geh Denken Demonstrationen. Die Polizeibehörden haben bisher den DGB als Veranstalter, trotz mehrfacher Anfragen,  über die Abläufe der Übergriffe und die bekannten Folgen nicht offiziell informiert. Die Dresdner Behörde sieht nicht in der Zuständigkeit. "Ich nehme mindestens irritiert zur Kenntnis, dass der Innenminister Sachsens und der Polizeichef der Stadt den Einsatz für gelungen halten", so Hron am Montag Abend in Dresden.


Nach Ansicht des DGB müssen die Behörden jetzt unverzüglich ermitteln. Die Rechtsextremisten wurden nach Opferangaben polizeilich erfasst.  Für die Veranstaltung hatten die Organisatoren von Geh Denken ein Sicherheits-konzept, auch auch für die Autobahnen zur An- und Abreise mit den Versammlungsbehörden und der Polizei in Dresden abgesprochen. Die Teilnehmer der Demonstration waren mit insgesamt mehr als 80 Bussen am Samstag den 14.2. zu den Protestveranstaltungen nach Dresden gekommen. "Dieser Angriff zeigt, wer gewalttätig denkt und handelt. Wir erwarten, dass die Schuldigen schnell zur Verantwortung gezogen werden. " betonte Hron abschließend. 


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